12th Aug2014

Oh Captain, mein Captain! Zum Tod von Robin Williams

by miriampharo01

Robin_Williams_2011_Eva Rinaldi

Heute morgen die unfassbare Nachricht: Robin Williams hat im Alter von nur 63 Jahren Selbstmord begangen. Der Schock ist in solchen Fällen immer groß, aber hier ist er fast unaussprechlich. Robin Williams – ein stiller Held und moderner Clown, der uns zum Lachen und zum Weinen gebracht hat. Nicht umsonst hat er die Hauptrolle in Patch Adams gespielt. Unvergesslich die Buszene in Mrs Doubtfire: „Ich mag bei Frauen die mediterrane Art“, meint der Busfahrer, als er Williams haarige Beine sieht. Oder seine legendäre Rolle in Good Morning, Vietnam. Und natürlich seine unvergesslichen Filme wie Der Club der toten Dichter, Good Will Hunting, Zeit des Erwachens und, und, und. Ihn umgab niemals die unnahbare Aura eines Superstars, obwohl er einer war. Vielleicht mögen ihn deshalb so viele Menschen. Vielmehr wirkte er wie der nette Typ von nebenan, mit dem man gern ein Bier trinken gegangen wäre. Sogar in seiner düsteren Rolle als Sy in One Hour Foto bringt man Verständnis auf, empfindet Mitleid mit seiner Figur.

Warum?

Über sein Privatleben sickerte nie viel durch. Robin Williams definierte sich hauptsächlich durch seine Filme. Umso schockierender die Nachricht über den Selbstmord, und sofort stellt sich die Frage: Warum? Der fast panische Versuch, eine Antwort auf spiegel, stern und co. zu finden. Er litt in letzter Zeit an schweren Depressionen, heißt es dort, und man erschrickt, dass selbst jemand wie Robin Williams nicht davor gefeit war. Aber was wissen wir schon? Er war Vater von drei Kindern, verheiratet … Nach außen hin ein perfektes Leben. Verständnisloses Kopfschütteln und ein Kloß im Hals. Man schaut sich aktuelle Fotos von ihm an, und plötzlich glaubt man darin eine gewisse Zerbrechlichkeit zu erkennen. Schließlich erfährt man, dass er sein halbes Leben lang Alkoholiker gewesen ist. Weil er sich einsam fühlte und Angst hatte.
„Es ist buchstäblich Furcht. Und du denkst, oh, das wird die Angst erträglich machen. Aber das tut es nicht“, wird er im Spiegel zitiert.
Angst wovor?
„Vor allem“, lautet die Antwort.

Vom roten Ritter verfolgt

PRobin_Williams_Walk_of_Famelötzlich bekommt Robin Williams Rolle als Parry in König der Fischer eine ganz neue Bedeutung. In Terry Gilliams Film wird der traumatisierte Obdachlose in seiner Wahnvorstellung von einem furchterregenden roten Ritter gejagt, einem Symbol für den Amokschützen, der seine Frau erschossen hat.
Steven Spielberg erklärt zum Tod von Robin Williams: „Robin war ein Gewitter von einem komischen Genie und unser Lachen war der Donner, der ihn trug.“ Leider hat unser Lachen nicht gereicht, um dieses Ungeheuer, das sich Angst nennt, zu vertreiben. Am Ende hat der rote Ritter ihn besiegt. Was zurückbleibt sind Trauer, Ratlosigkeit – und wunderbare Filme.

Robin Williams auf wikipedia