02nd Mai2013

Yo Man! Rappen für die Wissenschaft

by miriampharo01

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Jon Chase: Porträt und Exklusivinterview –

Dass Rap auch andere Themen behandeln kann als soziale oder politische Missstände, beweist der britische Science Rapper Jon Chase.

Das Foto, das mir Professor Mark Brake für den Artikel „Rette uns, Doctor Who“ geschickt hatte, war interessant. Nicht nur, weil darauf die Zeitreise-Maschine TARDIS aus der Kultserie zu sehen war, sondern auch weil neben Mark Brake ein junger Mann abgebildet war, der als Jon Chase, Science Rapper, beschrieben wurde. Meine erste Reaktion war: Science Rapper? Sowas gibbet? Meine zweite Reaktion war: coool!

Jon Chase ist in Großbritannien recht bekannt. Er hat in mehreren Wissenschaftssendungen der BBC mitgewirkt, speziell bei der beliebten Kindersendung CBBC Space Hoppers, in der zwei Reisende durch das Universum steuern. Ich kenne die Sendung nicht, aber sie erinnerte mich spontan an die Sendung „Unser Kosmos“ mit Carl Sagan aus den 80er Jahren, die damals einen tiefen Eindruck bei mir hinterlassen hat. Das Buch dazu steht immer noch im Wohnzimmerregal und zwar an vorderster Stelle.

Auftrag von der NASA

Aber zurück zu Jon Chase. Sein akademischer Background ist eindrucksvoll, schließlich ist der Mann erst knapp 30: Ingenieurs-Diplom in Luft- und Raumfahrttechnik, Bachelor-Abschluss in Wissenschaft und Science Fiction, Master-Abschluss in Wissenschaftskommunikation. Er war sogar ein Jahr lang außerordentlicher Professor an der walisischen University of Glamorgan. Für viele Menschen ist die Wissenschaft ein Buch mit sieben Siegeln, dennoch glaubt Jon fest daran, dass wissenschaftliche Ideen im richtigen Gewand jedem zugänglich gemacht werden können. Vor allem jungen Menschen. Seine Leidenschaft gehört der Wissenschaft und der Musik. Was lag also näher, als beides miteinander zu verbinden? Gesagt, getan. Sein Konzept war so erfolgreich, dass die NASA ihn  2008 beauftragte, ein Rapvideo zum Thema Astrobiologie zu machen. „We’ve been on Earth for many years and we are still producing answers; as time passes, collective knowledge advances“, lautet eine der Textzeilen aus dem Video.

Inzwischen hat Jon seine Leidenschaften zum Beruf gemacht. Heute ist er als freier Wissenschaftsvermittler und Rapper im ganzen Land unterwegs, führt Workshops in Schulen durch, tritt in Museen, Theatern und Bibliotheken auf, moderiert Wissenschaftsevents. Jon ist gut beschäftigt. Umso erfreulicher, dass er vor zwei Wochen die Zeit gefunden hat, mir ein kurzes Interview zu gewähren.

Gibt es einen Wissenschaftsbereich, über den du am liebsten rappst?

Ich habe keinen Lieblingsbereich. Ich thematisiere in meinen Rap-Songs all das, was mir bisher begegnet ist, was ich studiert oder gelesen habe,.

Hast du dich schon einmal mit einem anderen Science Rapper gebattelt?

Nicht wirklich. Ich bin mit einem anderen Rapper live aufgetreten, wo wir uns freestylemäßig Texte zum Thema Wissenschaft ausgedacht haben. Das war für Einstein’s Garden beim Green Man Festival in Wales. [Das Green Man Festival ist ein unabhängiges Musikfestival. Ein Programmpunkt ist das Einstein’s Garden, wo Natur und Wissenschaft auf lockere Art vermittelt werden – Anmerk. d. Verf.] Das war cool. Bei einem Event in Bristol, der von GeekPop organisiert wurde, bin ich noch einmal mit dem gleichen Rapper aufgetreten. [GeekPop produziert Musik-Wissenschafts-Podcasts fürs Internet – Anmerk. d. Verf.]

Du engagierst dich bei iscience. Was kannst du uns darüber erzählen?

iscience ist eine Gruppe, die aus Mark Brake und mir besteht. Wir bieten landesweit Shows und Workshops an, sind aber auch als Berater tätig. Mark und ich haben uns während meines Studiums kennengelernt.

Welche Musik magst du? Was inspiriert dich?

Ich mag Hip Hop, Drum n Bass, Reggae, Dubstep, Soul, Funk, ein bisschen Jazz. Ich habe keinen Lieblingskünstler. Ich mag unterschiedliche Dinge und Menschen aus unterschiedlichen Gründen. Letztlich ist es das Leben, das mich inspiriert.

Wie sieht dein aktuelles Projekt aus?

Gerade habe ich für Channel 4 Learning eine Reihe von Rap-Songs über Mathematik abgeschlossen. Die sollen Schülern helfen, sich zu erinnern, wie man bestimmte Prozesse durchführt z.B. das Multiplizieren von Klammern oder das Dividieren von Brüchen. Das Ziel besteht darin, ihnen eine Gedächtnisstütze zu liefern. Ansonsten bin ich viel in Schulen und bei öffentlichen Veranstaltungen aktiv.

iscience Homepage

Zum Interview mit Mark Brake, Buchautor und Berater der Doctor Who Roadshow, geht’s hier lang!

5 Responses to “Yo Man! Rappen für die Wissenschaft”

  • Barbarella

    Danke, Miriam, für das interessante Interview. Habe mir auch gleich mal den Song angehört. Geiler Beat und sehr netter Flow! Und wieder denke ich: Es gibt doch wirklich für jeden Menschen den passenden Beruf. Ein Vorbild für mich, der Herr Chase!

  • Jule

    Die Crossover-Frage wollte er wohl nicht beantworten? Vielleicht dann doch zu wenig inhaltsbezogen für einen Science-Rapper 😉 Schönes Interview wieder, Miriam, mach so weiter!

  • miriampharo

    Danke dir, Jule! :)

    Barbarella, von diesem Standpunkt aus habe ich es noch gar nicht betrachtet, aber du hast natürlich Recht: Er ist ein gutes Beispiel für jemanden, der seine Berufung gefunden und sich den für ihn passenden Beruf zurecht geschnitzt hat. Besser geht es kaum!

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