30th Mrz2013

„Dreckatn Rotzbuam“

by miriampharo01
Der Reichstagsabgeordnete Eisenberger legte den Vorsitz des bayerischen Bauernbundes nieder. Aufnahme des bayerischen Reichstagsabgeordneten Eisenberger.

Der Reichstagsabgeordnete Eisenberger legte den Vorsitz des bayerischen Bauernbundes nieder. Aufnahme des bayerischen Reichstagsabgeordneten Eisenberger.

Georg Eisenberger: ein bayerisches Original –

Ludwig Thoma mag den meisten ein Begriff sein, der Name Georg Eisenberger eher nicht. Noch heute hält sich das Gerücht, dass Letzterer Vorbild für Thomas fiktive Figur des Zentrums-Abgeordneten Josef Filser gewesen sein soll. Eines ist jedenfalls sicher: Georg Eisenberger war ein echtes bayerisches Original. Von 1905 bis 1932 war er Abgeordneter in München und Berlin, wo er sich für die Interessen der bayerischen Landbevölkerung einsetzte. Viele sahen in ihm eine schrullige Figur, die „im oberbayerischen Nationaldress in Berlin herumstolziert.“ Eisenberger war wortgewaltig und beherzt. In seinem Kampf für die Bauern schreckte er nicht einmal davor zurück, Josef Goebbels als „dreckatn Rotzbuam“ zu bezeichnen.

Sein Leben für die Bauern

Über ihn gibt es eine hübsche Geschichte, die ich euch nicht vorenthalten möchte. Um das Jahr 1905 herum unternahmen Eisenberger und sein Kollege Anton Pointner eine Reise mit dem Zug nach München. Der Pointner war standesgemäß im Frack gekleidet, Eisenberger in seiner Gebirgstracht. Als der Zugschaffner das Abteil betrat, machte er einen Buckel vor Anton Pointner, so dass seine Nasenspitze beinahe den Boden berührte. Vor lauter „Herr Landtagsabgeordneter“ brachte er den Mund nicht mehr zu. Zu Eisenberger war er allerdings weniger galant.
„Verlassen Sie sofort dieses Abteil erster Klasse!“, fuhrt er ihn an. „Als Bauer haben Sie da herin nichts verloren.“
„So“, erwiderte Eisenberger, gelassen „moanan S’?“
„Jawohl, und auf der Stelle verschwinden S’, sonst werf ich Sie raus!“
Daraufhin holte Eisenberger seine Pfeife heraus und begann zu rauchen. Da rastete der Schaffner erst recht aus. „Was fällt Ihnen ein? Rauchen und net amal a Billett für die erste Klasse haben.“
„Ja wissen S’ des denn so genau?“, fragte ihn Eisenberger.
„Dös siehg i scho beim ersten Blick, wo Sie hinghörn“, entgegnete der Schaffner. „In de dritte Klass’ zu de Bauernfünfer.“
„So ist’s recht“, sagte Eisenberger und zückte seinen Landtagsausweis. Dann verkündete er laut, er sei stolz darauf, ein Bauer zu sein und ein Abgeordneter obendrein.
Entsetzt begann der Schaffner zu winseln, Eisenberger möge das Malheur nicht melden, da er doch ein Weib und vier unmündige Kinder zu versorgen habe.
„Is schon gut“, antwortete Eisenberger, „aber ’s nächste Mal überlegen S’ eahna zerscht, was S’ sagen …“

Der „Hutzenauer“, wie er gemäß seinem Hofnamen genannt wurde, war zwar ein Patriot, doch kein Freund der Nationalsozialisten. Bereits 1923 warnte er vor ihnen und zog sich bei deren Machtergreifung auf seinen Hof zurück, wo er wieder als Bauer arbeitete und seine Memoiren „Mein Leben für die Bauern“ schrieb. Er starb 82-jährig am 1. Mai 1945, drei Tage, bevor die Amerikaner in Ruhpolding einmarschierten.

George Eisenberger bei Wikipedia

 

 

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