10th Jun2014

„Exotische Welten“ aus dem Verlag O’Connell Press

by miriampharo01

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Im Oktober letzten Jahres gründete das Autorenehepaar Susanne und Sean O’Connell den Phantastik-Verlag O’Connell Press. Nach eigenen Worten wollen sie mit hochwertigen Covergestaltungen und anspruchsvollen Inhalten nicht nur eingefleischte Fans, sondern auch Phantastik-Neulinge ansprechen. Den Anfang macht die eBook-Anthologie „Exotische Welten“ mit 25 Kurzgeschichten von bekannten und weniger bekannten deutschen Autoren. Ich war neugierig, ob der junge Verlag seine Versprechen halten kann. Den „Opener“ finde ich schon mal gelungen. Gestaltet wurde das Cover von Timo Kümmel, Gewinner des Kurd-Laßwitz-Preises 2011.

Wenn Thor auf dem Drachen zum Jupiter fliegt

Aber nun zu den Geschichten. Um es vorweg zu sagen: Sprachlich und stilistisch gibt es daran nichts auszusetzen. Da haben sowohl Autoren als auch Lektorat sehr gute Arbeit geleistet. Und exotische Welten kann man hier getrost wörtlich nehmen. Mal schwebt der Leser haltlos durchs All, mal fliegt er mit einem Drachen übers Meer, dann findet er sich wiederum im Kopf eines Menschen wieder. Sogar Fans von Thor und Loki kommen auf ihre Kosten. Mit anderen Worten: Die Vielfalt der Welten lassen keine Wünsche offen. Angesichts der Menge kann ich nicht auf jede einzelne Geschichte eingehen, also picke ich meine persönlichen Highlight heraus, allerdings ohne zu spoilern, denn Kurzgeschichten leben vom Überraschungsmoment.

Anrührend, verstörend oder einfach nur traumhaft schön

Da wäre zum Beispiel „Die Verrückte von der Kronprinzenbrücke“ von Torsten Exter, eine erschreckende und doch anrührende Geschichte über Idealismus und den Kampfwillen in einer scheinbar aussichtslosen Situation. Oder „Der Kindshüter von Leotrim“ von Carolin Hafen, die für meinen Geschmack schönste Fantasygeschichte in der Sammlung, in der auf gemächliche, wunderschöne Weise der letzte Flug eines alten Drachen erzählt wird. Oder „Sei Simon oder der König von UN“ von Vincent Voss, das ein wenig an Andreas Brandhorts „Seelenfänger“erinnert: surrealistisch, erschreckend und doppelbödig. Eine Geschichte, die es lohnt, ein zweites Mal gelesen zu werden. Bei „Die unbestrittene Wahrheit“ von Carsten Steenbergen ist alles drin, was eine gute Steampunk-Geschichte ausmacht: viel Dampf, eine Gräfin namens Cäcilie, ein Luftschiff und Dämonen. Ach ja, und nicht zu vergessen Karsten Kruschel, mehrfacher Gewinner des Deutschen Science-Fiction Preises, der mit seiner viel zu kurzen Geschichte „Feierabend“ den Auftakt zu einem neuen Universum schafft – zumindest wünsche ich mir das.

Was zum Teufel …?

Und dann sind da noch diese Erzählungen, bei denen sich der Leser fragt, welche chemischen Substanzen der Autor eingeworfen hat. „Moose Town Trip“ von Jörg Karweick zum Beispiel, wo in bester Stephen King-Manier der Horror auf leisen Sohlen kommt. Oder Susannes O’Connells „Next Level“, eine verstörende Geschichte mit erotischen Elementen, die man lieben oder hassen muss. Dazwischen wird es nicht viel geben. Und dann „Der große RM“ von Marion Jaggi, in der ein Mitarbeiter der Müllabfuhr die zweifellos exotischste aller Welten betritt. Die skurrilste Geschichte ist zweifellos „Panoramablick“ von Bernar LeSton, die mich an einen SF-Filmklassiker von 1957 erinnert. Klasse!

Fazit: Nicht jede Pointe sitzt, dafür ist der Ideenreichtum der Autoren aber grenzenlos. Ob am Stück oder häppchenweise: “Exotische Welten”sorgt für spannende Lesemomente, wobei für jeden Geschmack etwas dabei ist! Ich bin schon jetzt neugierig, welche Überraschungen O’Connell Press in Zukunft noch für uns bereithält.

Exotische Welten
mobi und ePub
EUR 3,99

 

 

 

 

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