29th Jul2014

Willkommen im Reich der Toten!

by miriampharo01

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Alexandre Dumas und Gaston Leroux haben es getan. Auch Victor Hugo konnte nicht widerstehen, und ich jetzt genauso wenig. Die Pariser Katakomben werden in meinem nächsten Roman Schauplatz dramatischer Ereignisse.

Über eine Zeitspanne von fast 2000 Jahren lieferte der Untergrund von Paris die Steine zum Bau der Stadt, auch Gips und Ton wurden dort gefördert. So entstand ein fast 300 Kilometer langes Stollensystem, um das sich viele Geschichten und Legenden ranken. Als Ende des 18. Jahrhunderts Seuchen und Hungersnöte zu einer Überfüllung der Pariser Friedhöfe führten, insbesondere des Cimetière des Innocents, dessen Gestank ganze Straßenzüge verpestete – es wird sogar erzählt, dass Kellerwände einbrachen und Berge von verwesten Leichen in die Häuser gelangten – , wurde der Friedhof geräumt und geschlossen. Die exhumierten Gebeine wurden in den Untergrund gebracht. Irgendwann entdeckten die Totengräber ihre kreativen Adern und schichteten Schädel und Knochen so auf, dass sie dekorative Muster ergaben. So findet sich da unten auch mal ein Herz aus Totenschädeln.

Ein Herz aus Totenschädeln

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In den Katakomben von Paris liegen die Überreste von schätzungsweise sechs Millionen Menschen. Eine Route von zwei Kilometern ist für Touristen freigegeben. „Halt! Hier beginnt das Reich der Toten!“, warnt das Schild am Eingang. Jedes Jahr besichtigen eine Viertelmillion Menschen die morbide Stätte, mit ihren Skelettwänden und Totenschädeln, die sich bis zur Decke türmen. In der unterirdischen Stadt der Toten trifft man auch auf  Weihwasserbecken, kunstvolle Bögen aus der Römerzeit oder grob gefügte Steinsäule aus dem 19. Jahrhundert. Der perfekte Unterschlupf! Kein Wunder also, dass im Laufe der Jahrhunderte Schmuggler und Straßenräuber hier unten Quartier bezogen. Die Kommunarden, die nach dem deutsch-französischen Krieg 1871 für eine sozialistische Gesellschaft kämpften, lieferten sich im Pariser Untergrund mörderische Menschenjagden mit den Regierungstruppen. Später suchte die Résistance hier Zuflucht.

Cataphiles – die heimlichen Herrscher

Heute findet sich jenseits der Touristenpfade1024px-Catacombes_De_Paris eine andere Art von Widerständlern. „Cataphiles“ werden die Mitglieder der Subkulturszene genannt, die in den Katakomben illegale Höhenforschungen unternehmen oder wilde Partys feiern. Die Gefahr ist allgegenwärtig. Viele Kammern sind randvoll mit Wasser, es gibt eingestürzte Decken, überall Schutt und jede Menge Menschenfallen. Cataphiles liefern sich regelmäßig Katz- und Mausspiele mit der Polizei, was sie jedoch nicht davon abhält, sich dort auch häuslich einzurichten. Da müssen Kalksteinblöcke als Tische und Stühle herhalten. 2007 wurde eine illegale Diskothek mit sage und schreibe 300 Gästen ausgehoben. Erstaunlich, zumal die Örtlichkeiten in der Regel schwer zugänglich sind. Zu den Cataphiles gehören nicht nur Studenten und Künstler, wie man vielleicht denken könnte, sondern auch Ingenieure und Beamte. Die Faszination Katakomben macht eben vor niemandem halt.

Die detailliertesten Karten findet ihr hier. Die interessantesten Fotos hier. Reinschauen lohnt sich wirklich!

22nd Jul2014

Und täglich kämpft der Schreiberling

by miriampharo01

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War das Autorenleben früher leichter? Zumindest anders, wenn man es romantisiert: Man zog sich in seine Bibliothek zurück, hämmerte wild auf der Schreibmaschine herum, die rutschende Brille immer wieder nach oben schiebend, und ließ sich vom fürsorglichen Ehepartner Tee und Sandwiches hereinbringen, damit man vor lauter Inspiration nicht verhungerte. Zumindest nicht, bevor das neue Jahrhundertwerk fertig war. Dann hat man einen Verlag gesucht, und der übernahm den Rest. Noch ein paar Lesetouren, hier und da ein Interview, dann durfte man sich wieder in sein Schneckenhäuschen zurückziehen. Herrlich!

Scheißwerwölfe!

Heute ist das Leben als Autor ein einziger Kampf! Nicht nur ein Kampf um die zündende Idee, das passende Wort oder den richtigen Verlag. Dieser Kampf ist vielmehr ein allumfassendes, sich täglich wiederholendes Ritual. An erster Stelle steht der Kampf um die Gunst des Lesers, denn – wer hätte das gedacht – der Leser reißt einem die Bücher nicht automatisch aus der Hand, obwohl sie ganz offensichtlich von kaum zu überbietender Genialität sind. Schon gar nicht, wenn sie nicht von Schönlingen mit Reißzähnen und exorbitant starker Körperbehaarung handeln oder vom naivem Dummchen, das sich vom triebgesteuerten Milliardär flachlegen lässt samt den Nachahmern und den Nachahmern der Nachahmer. Schlechtes Deutsch, Rechtschreibfehler, wilde Kommaregeln, alberne Dialoge … Stört offenbar niemanden. Und so geht der Kampf weiter. Diesmal gegen die aufkeimende Verbitterung, und ja, Neid schwingt auch mit. Da darf man ruhig ehrlich sein. Sich deshalb verbiegen? Das Genre wechseln? Niemals! Ich bin doch kein Auftragsschreiber! Pech für mich, da muss ich halt weiterkämpfen.

Scheißranking!

Dann wäre da noch der Kampf gegen die Uhr. Ohne soziale Netzwerke geht heute nichts mehr, sagt man doch. Also ist Autor bei Facebook, Twitter, Google + und Co. angemeldet und gibt fleißig seinen Senf ab. Bis zu einem gewissen Punkt macht es Spaß, doch irgendwann werden die sozialen Netzwerke zur Geißel, denn das, worauf es ankommt, das Schreiben, gerät immer mehr ins Hintertreffen. Schließlich hat der Tag nur 24 Stunden. Und weil manche Autoren offenbar nicht genug Kämpfe auszufechten haben, prügeln sie aufeinander ein. Selfpublisher wettern gegen die etablierte Buchbranche, während diese krampfartig versucht, nicht hinzugucken, letztlich aber doch hinschauen muss, um sich dann schaudernd abzuwenden. Wie bei einem Unfall!

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Ach so, für alle, die nicht wissen, was Selfpublisher sind: So werden Autoren genannt, die ohne Verlage in Eigenregie publizieren. Das kann verschiedene Gründe haben. Die einen haben keinen Verlag für ihr Buch gefunden, die anderen wollen unabhängig bleiben. Wie überall kommt dabei Gutes, aber auch Grottiges heraus. Ich möchte mich an dieser Stelle nicht weiter dazu äußern, das Thema wird zurzeit eh totdiskutiert. Nur eines: Ich selbst fahre zweigleisig. Der Großteil meiner Romane und Kurzgeschichten erscheint bei klassischen Verlagen, meine ISAR 2066-Reihe veröffentliche ich als Selfpublisher, weil ich mich wie in einem Bällebad so richtig austoben kann!

Als ob es nicht reichen würde, immerzu bei Facebook und Co. herumzuhängen, sind die Seiten von amazon- und/oder Novelrank Dauergäste in heutigen Schreibstuben. Schließlich will man stündlich, nein, minütlich erfahren, wie sehr man geliebt wird – und ob sich das Schreiben rechnet. Wenn es danach geht, tut es das nicht. Warum? Weil man sich durch diesen Quatsch immer weiter von seiner eigentlichen Berufung entfernt: Geschichten erzählen, die so vielleicht noch nie erzählt worden sind.

Last but not least: Scheißtechnik!

Zur Krönung des Ganzen gesellt sich noch der Kampf mit der Technik dazu. Weil irgendwelche Plugins über Nacht entschieden haben querzuschießen, gähnt auf der eigenen – liebevoll in hunderten von Stunden gepflegten – Autorenseite oder auf dem Blog nur noch weiße Leere. Ist es vielleicht ein Zeichen? Will mir mein Computer, mein Schicksal damit etwas sagen? Oder um es mit den Worten meiner ehemaligen Chefredakteurin auszudrücken: Es gibt nichts Inspirierendes als ein weißes Blatt Papier.

Irgendwo müsste ich noch eine alte Schreibmaschine rumliegen haben …

 * Ich weiß, ich weiß … Schreiberling ist ein abwertender Begriff, klingt in dem Fall aber besser.

Vielleicht interessieren dich auch die Exklusivinterviews mit den Bestsellerautoren Andreas Eschbach und Kai Meyer.

15th Jul2014

Hauptsache Krach! Jazz im Paris der Zwanziger Jahre

by miriampharo01

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Bisher lag mein literarischer Augenmerk auf Science-Fiction. Mein nächster Roman führt den Leser aber nicht in die Zukunft, sondern in die Vergangenheit, genauer gesagt ins Paris der 20er Jahre. Eine faszinierende Epoche mit jeder Menge Kuriositäten.

Weiße Musiker mit Farbe im Gesicht

In den europäischen Metropolen wie Berlin oder Paris war Jazz schwer angesagt, auch wenn die Europäer wenig Ahnung davon hatten. Zu der Zeit zog es viele Amerikaner nach Paris, auch schwarze Musiker, weil dort eine größere Freiheit und Toleranz herrschte als in der Heimat, wo Rassismus und Prohibition den Alltag bestimmten. Außerdem genoss Paris den Ruf, die künstlerische und intellektuelle Hauptstadt Europas zu sein. Bahnbrechende Neuerungen in den Bereichen der Literatur, der Malerei und der Musik entstanden hier. Doch es waren vor allem auch ökonomische Gründe, die schwarze Musiker dazu veranlassten, nach Paris zu kommen. Gute Musiker konnten 250 bis 300 Dollar die Woche verdienen! Im Vergleich dazu: Lous Armstrong bekam zu der Zeit in Chicago etwa 75 Dollar die Woche und gehörte schon zu den Besserbezahlten.

Boxchampions am Schlagzeug

Die außergewöhnliche Beliebtheit von schwarzen Musikern in Paris trieb mitunter seltsame Blüten. Weil die Franzosen dachten, schwarze Amerikaner seien automatisch Jazzmusiker, malten sich weiße Musiker das Gesicht dunkel an, um engagiert zu werden. Noch skuriller war das Verhältnis des Publikums zum Schlagzeug. Damals galt es nicht als Instrument, sondern als etwas Exotisches, das Krach machte. Als einer unter vielen legte sich daraufhin der in Paris lebende Boxer Gene Bullard ein Schlagzeug zu, um zwischen den Kämpfen etwas Geld dazuzuverdienen – obwohl er nicht spielen konnte. „Ich glaube, ich war ganz erbärmlich“, berichtete er später. „Aber es schien so, dass jedes Tanzlokal einen farbigen Jazz-Schlagzeuger haben wollte.“

Kuhglocken und komische Grimassen

In den Klubs wurden lieber Schwarze engagiert, die kein Schlagzeug spielten, als Weiße, die es konnten. Mit dem Ergebnis, dass einfach nur Lärm verursacht wurde. Die Möchtegern-Musiker warfen Stöcke in die Luft, schnitten lustige Grimassen und streckten die Zunge heraus. Manche hatten sogar Kuhglocken dabei, um noch mehr Lärm zu veranstalten. Das Publikum jedenfalls war begeistert! So musste Jazz schließlich sein. Erst nach Jahren begriffen die Menschen, dass das Schlagzeug ein Instrument zur Begleitung der Musiker war. Bis dahin spielten die Schlagzeuger einfach, was ihnen einfiel. „Das Schlagzeug machte gewöhnlich einen derartigen Lärm, dass ich mich wunderte, wie die Leute danach tanzen konnten. Denn es gab überhaupt keinen Rhythmus“, erklärte der schwarze Trompeter Arthur Briggs. „Ein schwarzes Orchester zu haben, gehörte einfach zum Stil der Zeit; sozusagen als Ornament. Erst gegen 1935 waren all diese schlechten Musiker von der Bildfläche verschwunden.“

Quelle: That’s Jazz – Der Sound des 20. Jahrhunderts, Häusser Media 1997

08th Jul2014

Operation Cheesestorm – Interview mit Autor Mani D. Bädle

by miriampharo01

IMG_1074Sprechende Stofftiere, eine Terrorgruppe namens Al Qaselza und warum es schön ist, in der Swiz … äh … Schweiz zu leben

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01st Jul2014

Interview mit Kai Meyer

by miriampharo01
Kai Meyer, Autor In Amorbach

Kay Meyer (c) Gaby Gerster

„An Schreibblockaden glaube ich nur bedingt.“

Mit mehreren Millionen verkauften Exemplaren weltweit gilt Kai Meyer als einer der erfolgreichsten deutschen Fantastikautoren. (mehr …)